Mattenkapitel 2012

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Eine große Schar von Schwestern aus nah und fern, dazu Gäste aus anderen Ordensgemeinschaften, der Tau-Gemeinschaft und dem Franziskustreff konnte Provinzoberin Sr. M. Esther zum Mattenkapitel am Samstag nach Fronleichnam im Mutterhaus Maria Stern begrüßen.
„Die doppelte Berufung von Klara und Franziskus: Mit Brüdern und Schwestern die Liebe und Güte Gottes spiegeln“ war das Thema am Vormittag, das Generaloberin Sr. M. Theophila anschaulich und eindrucksvoll an Hand des Tafelbilds der heiligen Klara sowie Quellen aus der franziskanisch-klarianischen Literatur entfaltete. Dabei beeindruckte besonders die Gestalt der heiligen Klara, die ihr Armutsideal "arm den armen Christus umarmen" nach ihrer Flucht aus dem Elternhaus, um wie Franziskus Christus radikal nachzufolgen, unbeirrt und gegen alle Widerstände lebte. Sie solidarisierte sich mit den Armen und verwirklichte den franziskanischen Wesenszug „in Beziehung leben“ nicht nur in der Gemeinschaft ihrer Mitschwestern, sondern auch mit Menschen weitab ihres Klosters San Damiano. Das bezeugen u. a. ihr Briefverkehr mit Agnes von Prag und Ermentrudis von Brügge, die Kontakte mit Päpsten und Kardinälen und vor allem ihre Bindung an Franziskus und seine Brüder.
 

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Die Errettung von San Damiano 1240 und der Stadt Assisi 1241 vor den Sarazenen zeigt außerdem, wie sich Klara im Vertrauen auf die Macht des Gebetes und der heiligen Eucharistie für die Nöte ihrer Mitmenschen einsetzte. Die Stadt Assisi feiert noch heute jedes Jahr das Ereignis von 1241 an einem Erinnerungstag im Juni, an dem Klara als der Retterin der Stadt gedacht wird.
Klaras Stärke erwuchs ihr vor allem aus der Kontemplation, indem sie im inneren Schauen den göttlichen Geheimnissen nachspürte. Die Metapher des Spiegels, im Mittelalter sehr verbreitet, taucht in Klaras Schriften immer wieder auf. Christus ist für Klara der Spiegel, in dem sie sich täglich betrachtet. „In diesen Spiegel schaue täglich“, empfiehlt sie Agnes von Prag.
Der Nachmittag begann mit einer gemeinsamen Anbetung in der Sternkirche und diente neben dem Rückblick auf den Vormittag, dem Austausch von Informationen. Mit der gemeinsamen Vesper endete der Tag, der wieder Mut und Zuversicht für den Alltag gab und Ansporn für die Vertiefung des eigenen Lebens nach dem Vorbild des heiligen Franz und der heiligen Klara.